IHHT bei ME/CFS: Neue klinische Studie untersucht mögliche Auswirkungen auf Fatigue und Lebensqualität
Hintergrund
Myalgische Enzephalomyelitis beziehungsweise das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) ist eine komplexe chronische Erkrankung, die mit ausgeprägter Erschöpfung, eingeschränkter Belastbarkeit und erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität einhergehen kann.
Ein charakteristisches Merkmal ist die sogenannte Post-Exertional Malaise (PEM). Dabei können sich Beschwerden bereits nach geringer körperlicher, geistiger oder emotionaler Belastung deutlich verschlechtern.
Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass bei ME/CFS unter anderem Veränderungen des Energiestoffwechsels, der Immunregulation und der Sauerstoffverwertung eine Rolle spielen könnten.
Vor diesem Hintergrund untersucht das dänische Forschungsprojekt REenergizeME, ob die intermittierende Hypoxie-Hyperoxie-Therapie (IHHT) einen positiven Einfluss auf die Beschwerden und die Lebensqualität von Menschen mit ME/CFS haben kann.
Ziel der Studie
Die Forschungsgruppe der Universität Aarhus untersucht, ob wiederholte, kontrollierte Wechsel zwischen sauerstoffreduzierter und sauerstoffangereicherter Atemluft messbare Veränderungen bei Patientinnen mit ME/CFS bewirken können.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob IHHT die subjektiv wahrgenommene Vitalität und damit einen wichtigen Aspekt der Lebensqualität beeinflussen kann.
Darüber hinaus sollen mögliche Zusammenhänge zwischen der Behandlung und verschiedenen physiologischen Prozessen untersucht werden.
Studiendesign und Methodik
REenergizeME ist als randomisierte, placebokontrollierte klinische Studie konzipiert. Insgesamt sollen mindestens 104 Frauen im Alter zwischen 20 und 59 Jahren mit leichter bis mittelschwerer ME/CFS-Erkrankung teilnehmen.
Die Patientinnen werden zufällig einer IHHT-Gruppe oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Die Kontrollgruppe erhält eine Scheinbehandlung mit normaler Umgebungsluft.
Das Behandlungsprotokoll sieht sechs Sitzungen innerhalb von acht Wochen vor. Eine Sitzung umfasst vier bis sieben wechselnde Hypoxie-Hyperoxie-Zyklen mit einer Gesamtdauer von etwa 22 bis 40 Minuten.
Die individuellen Behandlungsparameter werden unter Berücksichtigung der physiologischen Reaktionen und der Verträglichkeit angepasst. Während der Anwendungen werden unter anderem Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz und weitere Vitalparameter überwacht.
Zusätzlich werden mindestens 20 gesunde Kontrollpersonen für vergleichende Untersuchungen berücksichtigt.
Welche Veränderungen werden untersucht?
Die Wissenschaftler betrachten verschiedene Bereiche:
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Vitalität und Lebensqualität: Veränderungen der subjektiven Energie und des allgemeinen Wohlbefindens.
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Fatigue und Belastungsverträglichkeit: Ausprägung der Erschöpfung und belastungsbedingter Symptomverschlechterungen (PEM).
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Kognitive Funktionen: Mögliche Veränderungen von Aufmerksamkeit und Konzentration.
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Autonome Regulation: Untersuchungen des vegetativen Nervensystems.
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Stoffwechsel und Sauerstoffversorgung: Analysen ausgewählter Stoffwechselprozesse, oxidativer Stressmarker und der Sauerstoffversorgung des Gewebes.
Die Untersuchungen erfolgen vor und nach der Behandlungsphase. Weitere Nachbeobachtungen sind nach drei, sechs und zwölf Monaten vorgesehen.
Wissenschaftliche Einordnung
Die REenergizeME-Studie greift eine wichtige Forschungsfrage auf: Können gezielte und individuell angepasste Sauerstoffreize physiologische Anpassungsprozesse beeinflussen, die bei ME/CFS möglicherweise eine Rolle spielen?
Die IHHT wird in diesem Zusammenhang als potenzieller Ansatz untersucht, der über sauerstoffabhängige zelluläre Signalwege verschiedene Regulationsprozesse beeinflussen könnte.
Wichtig: Bei der Veröffentlichung handelt es sich um ein Studienprotokoll. Es liegen darin noch keine Ergebnisse vor, die eine Wirksamkeit von IHHT bei ME/CFS belegen.
Zudem ist bei ME/CFS besondere Vorsicht erforderlich, da bereits geringe Belastungen eine ausgeprägte und länger anhaltende Symptomverschlechterung auslösen können. Die Studie berücksichtigt dieses Risiko durch ein vergleichsweise niedrigfrequentes, individuell angepasstes Vorgehen und eine systematische Überwachung möglicher Nebenwirkungen.
Bedeutung für die Forschung
Mit REenergizeME wird der mögliche Einsatz der IHHT bei ME/CFS unter kontrollierten wissenschaftlichen Bedingungen untersucht.
Besonders relevant ist die Kombination aus subjektiven Angaben der Teilnehmenden und objektiven physiologischen Messungen. Dadurch könnten zukünftig sowohl mögliche klinische Effekte als auch zugrunde liegende biologische Mechanismen besser verstanden werden.
Ob sich daraus langfristig eine geeignete ergänzende Behandlungsoption entwickeln lässt, müssen die Studienergebnisse und weitere Untersuchungen zeigen.
Originalpublikation
Titel: REenergizeME: Intermittent Hypoxia–Hyperoxia Treatment for Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome—Protocol for a Randomised, Placebo-Controlled Trial
Autoren: Nochi M. et al.
Journal: BMJ Open, 2026; 16(8): e117729
Veröffentlichung: 14. August 2026
DOI: 10.1136/bmjopen-2026-117729
Studienregistrierung: NCT07317401
Hinweis: Die dargestellten Inhalte dienen der wissenschaftlichen Information. Aus dem veröffentlichten Studienprotokoll lässt sich keine nachgewiesene Wirksamkeit oder allgemeine Behandlungsempfehlung für IHHT bei ME/CFS able
